Franzi in Neuseeland: “Nette Menschen, Trails und liebe Tiere”

Das neue Jahr fängt für Franziska Meyer irgendwie genauso gut an, wie das alte aufgehört hat. Anfang der Woche ist die 24-Jährige von der Sparkasse Hildesheim mit dem Sport-Award als “Power-Frau 2015” ausgezeichnet worden. Am Ende des vergangenen Jahres hatte sich die Hildesheimerin, die für unseren Verein startet, einen Traum erfüllt. Die Deutsche Enduro-Meisterin war sechs Wochen lang in Neuseeland unterwegs. Franzi Meyer hat sich ein Wohnmobil geliehen und ist quer über die Südinsel gereist. Im Interview spricht sie über die Menschen dort, die wunderschönen Landschaften und über lauter liebe Tiere.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Wie sind denn die Menschen am anderen Ende der Welt so?
Franzi Meyer: Unglaublich nett und gastfreundlich. Du machst irgendwo auf einer Farm Station, willst eigentlich nur ein bisschen biken, und die Leute laden dich sofort ein, die ganze Woche zu bleiben. Wahnsinn, oder? Die kannten mich doch gar nicht.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Leute kennen zu lernen, fiel dir offensichtlich ziemlich leicht in Neuseeland – oder?
Franzi Meyer: Oh ja, ich bin in den sechs Wochen nur zweimal allein auf dem Mountainbike unterwegs gewesen. Ansonsten hatte ich immer Begleitung.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: So als Frau allein mit dem Wohnmobil zu reisen – hast du dich da immer sicher gefühlt?
Franzi Meyer: Total. Nach drei Tagen schließt man das Auto nicht mehr ab. Einmal bin ich in Queenstown abends mit dem Rad allein auf einen Berg gefahren. Ich hatte nur einen Schlafsack und ein Plane dabei und übernachtete auf dem Gipfel. Total schön. Ich habe sehr gut geschlafen und bin morgens durch ein paar wilde Ziegen geweckt worden.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Oje, wilde Ziegen, wie gefährlich.
Franzi Meyer (lacht): Das ist das nächste tolle an Neuseeland. Es gibt überhaupt keine gefährlichen Tiere. Keine giftigen Schlangen wie beispielsweise in Australien, auch keine großen Raubtiere. Meines Wissens lebt dort nur eine einzige giftige Spinnenart.
Nette Menschen und zahme Tiere – das ist Neuseeland, könnte man sagen.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Welchen Stellenwert hat das Mountainbiking auf Neuseeland?
Franzi Meyer: Gefühlt 50 Prozent der Menschen sind dorf auf dem Mountainbike unterwegs. Es gibt unglaublich viele angelegte, öffentliche Trails. In Deutschland fährt man ja meist auf Wanderwegen. Das ist in Neuseeland ganz anders.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Wenn so viele Neuseeländer Mountainbike fahren, und es ein echter Volkssport ist, dann müssten sie weltweit eigentlich die Wettbewerbe beherrschen. Eine breite Basis ist im Sport doch immer die Grundlage für eine starke Elite.
Franzi Meyer: In der Enduro World Series sind einige Neuseeländer unter den Top-Ten. Sie könnten vielleicht noch dominanter sein, doch für viele Fahrer ist das eine Kosten- und Zeitfrage. Neuseeländer sind ja in der Regel mehr als 20 Stunden im Flieger unterwegs, um die wichtigen Rennen in Europa oder sonstwo zu erreichen.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Und die Landschaft, wie hat sie dir dort gefallen?
Franzi Meyer: Auch das ist einmalig. Man hat große Berge und das Meer – das Ganze oft dicht beieinander. Du fährst an manchen Stellen vom Wasser keine 20 Kilometer und bist in den Bergen. Dann die Einsamkeit. Einmal war ich fünf Stunden unterwegs und habe nicht einen einzigen anderen Menschen gesehen, geschweige denn ein Auto. Handyempfang gab es auch nicht überall. Das war dann schon komisch, man ist ja so daran gewöhnt, immer und überall ein Netz zu haben.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Was war denn das Erlebnis, an das du dich sofort erinnerst?
Franzi Meyer: Vielleicht das Sponti-Rennen in Queenstown. Das war nichts offizielles, aber alle wussten, dass an einem bestimmten Termin ein Rennen von einem bestimmten Berg just for fun stattfindet. Oben versammelten sich mehr als 100 Leute, die gemeinsam starteten. Es war irgendwie chaotisch, aber ein Riesen-Jux. Es ging nicht um Schnelligkeit, sondern um den Spaß. Unten gab es Barbecue und Bier. Danach sind fast alle noch zusammen in die Pubs gegangen. Solche Sponti-Rennen finden in Neuseeland häufiger statt.

Bike-Sport Bad Salzdetfurth: Wie geht es jetzt weiter bei dir?
Franzi Meyer: Ich sitze gerade über der Rennplanung für 2016. Demnächst werde ich auch wieder in der Uni ensteigen – das Studium hatte ich ja unterbrochen. Dann habe ich noch einen Job für sechs Wochen als MTB-Guide auf La Palma und später eine Woche auf Madera vor mir. Im Herbst und Winter werde ich dann viel Zeit am Schreibtisch verbringen: lernen für die Uni.

Foto: Kolbe-Bode

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