Tuscany Trail 3.0

Nicht nur bei uns, auch in Italien ist es heiß! Wen wundert es. Thomas ist zwischenzeitlich in Massa  angekommen, dem Startort der Tuscanny Trail Trophy. Dort kann er sich noch 2 Tage ausruhen, denn die richtige Anstrengung mit den Höhenmetern kommt ja erst noch. Hier ist sein  Bericht von Samstag bis Dienstag:

Wollte zwar am Gardasee einen Ruhetag einlegen, aber das ist am Nordufer im wörtlichen Sinn ja nicht möglich. Also mit dem Schiff von Torbole nach Malcesine, um die Tunnel auf der Uferstraße zu umgehen, ist auch ohne Tunnel abenteuerlich genug?

Ankunft Malcesini

Bin dann noch bis kurz hinter Garda gefahren und habe dort auf einem Campingplatz am Sonntag pausiert und es mir gutgehen lassen.

Ruhetag

Der Montag stand dann unter dem Motto: Schwitzen am Po!

Bin extra früh los und auch anfangs gut vorangekommen über Peschiera dem Garda nach Mantua, ein schöner Radweg immer am Mincio (Abfluss Gardasee) entlang und wegen der noch nicht so hoch stehenden Sonne gab’s gelegentlich auch mal Baumschatten. Danach schlug die Hitze der Poebene aber unbarmherzig zu.

In der Poebene

Wegen einer defekten Brücke über einen Seitenarm des Po musste ich dann auch noch eine Umweg fahren und erreichte dann auf dem Zahnfleisch in der Mittagshitze mein nächstes Etappenziel Sabbioneta. Dort gab es erstmal ein wieder hervorragendes Mittagessen: Ravioli mantovane (mit süßlicher Kürbisfüllung) und eine ebenfalls lokale Käsespezialität mit scharf eingelegten Früchten.

 

Lecker Mittagessen

Danach wieder raus in die Hitze und durchqueren bis Parma. Das Sitzen im Sattel wurde zunehmend zum Martyrium. Hinter Parma deutete sich mit den Bergen des Appenin zum Glück ein Ende der scheinbar endlosen Gluthölle der Ebene an und so fuhr ich im beginnenden Abend bald wieder bergauf und in die Einsamkeit der Berge hinauf. Nach Auffüllen der Vorräte bei der wirklich letzten Gelegenheit fuhr ich noch ein Stück in der Abendsonne und fand dann einen wunderbaren Platz für die Nacht auf einem abgeernteten Kornfeld. Spät am Abend kam zwar noch der Bauer auf seinem Trecker vorbei,  um die letzten Strohrollen zusammenzusammeln, aber dann war Ruhe und ich hatte eine wunderbare Nacht.

Ein Bett im Kornfeld

Ich muss allerdings noch von der schlechten Nachricht des Tages berichten. Heute hatte ich entdeckt, das durch ungünstigen Verlauf der hinteren Bremsleitung zwischen Lenkerrolle und Vorbau ein kleiner Schnitt an der Leitung entstanden war. Am Riss schien auch etwas Ölnebel ausgetreten zu sein, aber der Druckpunkt der Bremse war noch völlig normal. Das würde ich morgen gut beobachten müssen, zumal mich 1000 Höhenmeter Abfahrt erwarteten.

Fahrleistung heute: 180 km, 450 hm, 9 Stunden im Sattel.

Am nächsten Morgen (Di) wieder früh raus aber ich war noch am Zusammenpacken, da war der Bauer schon wieder da und wollte diesmal die Strohballen direkt in meiner Ecke des Feldes abholen. Er war aber freundlich und hat sich gar nicht weiter an mir gestört. Heute musste ich zunächst den ca. 1000 m hohen Passo della Cisa bezwingen, aber vorher musste noch ein Frühstück her. Es war gar nicht so einfach, in dieser abgelegenen Bergwelt eine offene Bar zu finden, aber dann war sie doch da, die typische Hinterwäldlerbar in Italien mit der immer gleichen Handvoll von Opas, die hier um 9 Uhr auch schon mal einen Rotwein nehmen, mit gegeltem Barbetreiber und auch mit einem ganz originalen Fiat 124 vor der Tür.

Passo della Cisa

Gestärkt wurden die letzten Höhenmeter zum Pass genommen und dann ging es in eine fantastische Abfahrt. Wie auf dem Motorrad in Schräglage durch die Tornanti und die Bremse hielt.

Unten musste ich dann aber doch frischen Ölnebel am Riss feststellen, das würde nicht für die bald anstehenden 10000 hm Abfahrt auf dem Tuscany Trail reichen!

Missmutig quälte ich mich die weiteren km durch wieder stark zunehmenden Verkehr und Hitze, bis ich dann glücklicherweise direkt am Weg einen Bikeshop fand. War noch zu, aber nach ca. 10 min Warten kamen ein paar stylische Jungs auf Rennrädern vorgefahren, wie sich bald herausstellte die Mannschaft des Ladens, die die Mittagspause zu einer schnellen Runde genutzt hatten. Noch ganz beglückt davon waren sie superfreundlich, bis auf den missmutigen Mechaniker, der sich dann aber doch als patenter Kerl erwies und mir Ruckzuck eine neue Leitung einbaute.

Anschließend die letzten paar km bis ans Meer absolviert und dort auf einem der unzähligen Campingplätze eingecheckt. Jetzt hat mein Wunder Hintern noch 2 Tage Zeit, wieder in Ordnung zu kommen.

Fahrleistung: 120 km, 1060 hm, 6 h 45 min.

Ruhetag

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