Dem Lockdown entzwiftet!

Wir schreiben das Jahr 2021 und sind auf der Suche nach einem Ausweg hinsichtlich der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown. Die Schulen sind geschlossen, Fernunterricht und Meetings per Videokonferenz sind das Mittel der Wahl. Die Kinder hängen vor den Bildschirmen, sportliche Betätigung und Freunde treffen ist nicht angesagt, dafür Abstand und Distanz. Wege und Straßen waren im Februar mit Schnee und Eis bedeckt, draußen ist es immer noch kalt, die Tage sind kurz – keine wirklich guten Vorrausetzungen für ein motiviertes Training. Unter obigen Prämissen hatten wir uns Gedanken zu Möglichkeiten des Inhouse-Trainings gemacht und umgeschaut. Konsequenterweise landet man bei sogenannten Smart Trainern für Radfahrer, früher hießen die Dinger „Ergometer“. Also den Markt sondiert, schnell wurde klar, ein Smart-Trainer mit Direkt-Antrieb musste her. Gesagt, getan, ein Klick, gekauft und 5 Tage später war er da; ein NEO der neuesten Generation, vom Postboten ausgeliefert – und nun? OK, Räder zur Auswahl haben wir genug, aber es musste für mich und meine Söhne Tim und Ben passen – wer hat schon Bock auf regelmäßiges Wechseln der Räder. So kamen wir überein, Tim ́s Rennrad (54cm) wäre ideal für uns beide, Ben darf dafür auf dem Rahmenoberrohr sitzen oder den Wiegetritt üben. Dank Marco Klages und Christian Pajung gibt es bei Bike-Sport Bad Salzdetfurth bereits eine größere Gruppe die virtuelle Fahrten auf einer Gaming Plattform unternimmt. Diese nennt sich Zwift und ist im Prinzip ein internetbasiertes Spiel für gelangweilte Radfahrer im Winter- oder Schlechtwetterblues bzw. eine ernstzunehmende Trainingsplattform ohne auf äußere Widrigkeiten besondere Rücksicht nehmen zu müssen. Dazu wird der Trainer als Hinterradersatz in das Fahrrad eingesetzt und über Bluetooth-Handy/ -iPad mit der digitalen Plattform im Internet verbunden (ZWIFT-APP). Entsprechend der Streckenführung, Steigung, Gefälle, persönlicher Daten und Bedingungen errechnet Zwift den einzuregelnden Widerstand am Trainer und es wird versucht die Physik der realen Welt am Hinterrad zu simulieren. Dazu noch eine schöne Animation auf den Bildschirm gezaubert und schon geht es durch staubige Wüsten, urige Dörfer, internationale Städte, glühend leuchtende Lavalandschaften, farbigste Urwälder mit dicken Mammutbäumen, blaue Seenlandschaften in grünen Bergtälern, gläserne Unterwassertunnel mit Fischen, bis hinauf zu höchsten schneebedeckten Gipfeln. Sogar Regen/Schnee und Tag/Nacht gibt es dort, auch eine MTB- und Gravel-Strecke stehen zur Verfügung – nur nass, kalt und dreckig wird man nicht in der heimischen „Paincave“.Zusätzlich werden sowohl virtuelle Gruppenfahrten oder gar weltweite Rennen als auch Trainings- und Aufbau-Programme angeboten. In diesem Angebot mischt seit 2019 auch der BDR mit seiner German Cycling Academy (GCA) unter Leitung von Tim Böhme mit, zudem hat sich der Landesverband Sachsen-Anhalt unter Leitung von Jonas Otto mit einem Nachwuchscup und Trainingsangeboten etabliert. 2020 wurde auf Zwift erstmals eine Weltmeisterschaft ausgefahren. Ein deutscher Olympia-Ruderer, Jason Osborne, schoss den Vogel ab und gewann gegen stärkste Konkurrenz den Titel des ersten virtuellen Radsportweltmeisters.

Seit Weihnachten 2020 läuft der NEO und Zwift nun bei uns, hat seinen festen Platz und es wird fleißig von den Söhnen die Heizung des Hauses mittels Abwärme des Trainers und Eigenwärmeerzeugung unterstützt – eine neue interessante Spiele-Welt will entdeckt werden, wobei die Kids dies wirklich mehr als Video-Spiel sehen und auch gestalten, sich dabei aber selbst und aktiv einbringen müssen!
Ab Ende Januar bat der BDR für Lizenzfahrer eine Rennserie über 5 Rennen an. Tim Vorbeg startet hier in der U19, Marco Klages und Christian Pajung in der Elite Kategorie. Das es für die 3 nur um die goldene Ananas und um das Sammeln von Rennhärte ging, wurde schon in der ersten Etappe klar. Bei dieser Serie trat größtenteils die absolute Elite aus einem Querschnitt der einzelnen Radsportdisziplinen gegeneinander an. Egal ob MTB- Profi, KT- Fahrer auf dem Rennrad oder Spitzensportler aus dem Cyclocross, die Creme de la Creme war am Start. Die einzelnen Strecken waren eine bunte Mischung aus Flach- und Bergetappe. Für jeden war etwas dabei. Eine Stunde Schinderei mit Spaßfaktor war es für die 3. Am Ende wurde Tim 31ter, Marco 130ter und Christian 218ter in den jeweiligen Startklassen.
Zusätzlich wurde am 27.02. auch der 2. Lauf des Nachwuchscups vom Landesverband Sachsen-Anhaltausgefahren. So kam es, dass Tim an einem Tag zwei Veranstaltungen zu absolvieren hatte, LV-SAH um 10:00 Uhr und GCA um 18:00. Das äußerst spannende Rennen im LV-SAH-Nachwuchscup konnte er dank einer passenden Taktik und eines sehr gut platzierten Zielsprints mit einem verdienten 3. Platz in der U15 über die Ziellinie bringen, ebenfalls ein wirklich gutes Ergebnis und ausreichender Lohn der Mühen.
Fazit: Virtueller Sport auf dem Smart-Trainer ist eine gute Möglichkeit den Winter und andere Widrigkeiten abzuwettern, weitere Form aufzubauen, Leistungen zu vergleichen und sich mit anderen zu messen – wenn es das noch nicht gäbe, so müsste man es jetzt erfinden. Nichtsdestotrotz finden die wirklichen Wettkämpfe auf der Straße oder im Wald statt, denn dort zählt auch die Fahrtechnik und die Radbeherrschung – wir freuen uns schon auf die Saison 2021!
Text/Bilder  Dirk Steinkraus/Marco Klages

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.