Auf den Wegen der Strade Bianche und der Eroica

Samstag 3. Juni, il secondo giorno.  In der Nacht nicht zur Ruhe gekommen und wenig geschlafen, der Hintern schmerzt auch schon wieder, das Zelt ist feucht… Nach dem Aufstehen ist die Stimmung nicht zum Besten und jeder packt wortkarg sein Zeug ein.

Ich merke, dass die beiden es eilig haben und weil ich heute morgen nicht so motiviert bin lasse ich sie fahren. Nachdem auch ich alles gepackt habe und der Hintern reichlich mit Gesäßcreme versorgt wurde geht es los. Es fällt schwer, eine schmerzfreie Sitzposition zu finden und dementsprechend unrund sind die ersten Kilometer. Im ersten Ort sitzen Jose und Ywon gleich in der ersten Bar in der Sonne und frühstücken. Da bin ich natürlich sofort dabei. Bei caffe latte und brioche steigt die Stimmung sofort wieder. Gestärkt und zusammen geht es durch die hügelige Landschaft hinter Florenz mit ständig wechselnden Anstiegen und Abfahrten. Mit Jose führe ich ausführliche Gespräche über dies und das und der schmerzende Hintern gerät in den Hintergrund.

 Mittags ist San Gimignano erreicht wo wir uns durch die Menschenmenge vorarbeiten. Zwischen Jose und Ywon, die auf mich in solchen Szenen wie ein altes Ehepaar wirken, entbrennt ein Streit über die zu wählende Reihenfolge der Kalorienzufuhr. Jose’s Wunsch (Eis) setzt sich gegen den von Ywon (Nudeln) durch und wir schlecken erstmal ein cremiges Eis. Danach ab ins  nächste Restaurant, wo wieder extrem leckere und höchst nahrhafte Pasta aufgetischt werden, dann noch was Süße und zum Schluss einen Doppio.

 

 

 

 

 

Anschließend geht das Fahren fast wie von selbst. Es ist zwar sehr heiß, aber die Strecke verläuft hier häufig im Wald wo einige nette Trails auf uns warten. Im warmen Schein der Abendsonne laufen wir in Siena ein. Der Weg durch die historische Altstadt gestaltet sich mit den Rädern angesichts der Menschenmenge zum Spießrutenlauf.

Sienna

Auf dem Campo kurze Rast, dann ab zum Essen! Gut abgefüllt nehmen wir auch noch Pizza mit, denn heute wollen wir noch ein Stück durch die Nacht fahren. Hinter Siena warten 40 km baumlose Hügel ohne Versorgungsmöglichkeit, das fährt man am besten nachts.

Die Nacht bricht an

Der Anbruch der Nacht mit den Türmen von Siena hinter uns ist ein besonders schönes Erlebnis. Wir fahren jetzt über die bekannten weißen Schotterstraßen der Toskana und folgen dabei auch der Eroica, dem bekannten Vintage Radrennen. Wir fahren immer weiter in die Nacht bis der Akku so langsam leer wird.

Immer weiter

Als wir den ersten kleinen Ort erreichen fragen wir an einem Hotel nach einer geeigneten Übernachtungsmöglichkeit zum Campen. Man weist uns den Weg zum lokalen Sportplatz, was sich als ein Volltreffer erweist. Es gibt gute Liegeflächen (Fußballplatz) und einen Wasserschlauch am verlassenen Vereinsheim. Heute bleibt das Zelt im Packsack und wie die anderen rolle auch ich meine Matte unter dem Sternenhimmel der Toskana aus.

Tagesfahrleistung: 133 km, 2.600 hm, 10 h Fahrzeit

 

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