Finale grande

 

Sonntag 4. Juni, il terzo giorno

Die Sterne geben sich ein Stelldichein am Nachthimmel und funkeln um die Wette und ich kann nicht schlafen. Immer noch pumpt das Herz adrenalinhaltigen Stoff in den Blutkreislauf und lässt den Körper nicht zur Ruhe kommen. Stunde um Stunde lausche ich den Geräuschen der Nacht, insbesondere den gleichmäßigen Atemzügen meiner beiden Begleiter. Irgendwann bei Anbruch der Morgendämmerung falle ich dann doch noch in einen kurzen, unruhigen Schlaf, bis um 5:30 der Wecker klingelt. Wortlos arbeiten sich 3 Gestalten aus ihren Schlafsäcken und beginnen mit ihren morgendlichen Verrichtungen.

Wasser!!!

Ich kann mich nur wackelig auf den Beinen halten, wie soll das über Stunden auf dem Rad gehen? Ich teile den anderen meine Bedenken mit aber auf dem Ohr sind sie sowieso taub. Morgen fährt der Zug von Capalbio zurück nach Massa! Bald sitzen wir wieder auf dem Rad und rollen in Richtung Süden. Heute werden wir auf den weißen Straßen ordentlich Staub fressen und wie gehabt in der Hitze schwitzen.

Radicofani

Erstaunlicherweise fällt mir das Sitzen viel leichter als an den vorigen Tagen und so kann ich dem Rhythmus der beiden anderen ohne Probleme folgen. Heute steht wieder ein ständiges Auf und Ab auf dem Plan, wobei mittendrin der Ort Radicofani auf 800 m Höhe auf uns wartet, weithin sichtbar in der toskanischen Landschaft. Wie das an einem langen Tag im Sattel so ist wechselt die eigene Befindlichkeit häufiger. Am Anstieg nach Radicofani fühle ich mich jedenfalls wieder richtig frisch und klettere Meter um Meter weit voraus bis ins historische Zentrum. Aufgrund des italienischen Feiertagswochenendes ist hier heute alles geöffnet. In den engen Gassen werden an jeder Ecke lokale Spezialitäten angeboten. Wir finden Platz an einem rohen Holztisch im Lager eines Feinkosthändlers und arbeiten uns bei Wasser und Wein durch vier Sorten Pecorino nebst Wurst und Schinken bis wir erst einmal abgefüllt sind.

Kalorienzufuhr

Um auch später nicht vom Fleisch zu fallen bunkern wir nebenan in einer Pizzeria mit historischem Holzofen noch Pizza zum Mitnehmen. Ständig treffen neue Fahrer ein und nach letztlich noch verabreichtem Caffe räumen wir das Feld und ziehen weiter. Da wir jetzt schon ein gut eingespieltes Team sind nehmen wir rasch wieder Tempo auf und fressen weiter Staub und Kilometer. Als Belohnung warten in der Nachmittagssonne mit Sorano und Pitigliano zwei Städtchen in atemberaubender Lage in einem Canyon, in den wir beide Male in wilder Fahrt auf Asphaltkehren hineintauchen um dann mühsam wieder hinauszuklettern.

Sorano

Als Belohnung gibt es Eis und noch mehr Pizza wird mitgenommen. Mittlerweile sind alle wie in Trance und denken nur noch ans Meer, das auf einmal fast in greifbarer Nähe ist. Wieder und wieder arbeiten wir uns den vermeintlich letzten ernsthaften Anstieg empor. Die Sonne verschwindet hinter den Hügeln und wir schalten wieder unsere Beleuchtung ein. Beim Aufstehen heute morgen hätte ich mir das nie träumen lassen, aber jetzt sind wir schon 16 Stunden unterwegs. Irgendwann nachts ist es dann soweit und wir rollen in Albinia ein, einer hässlichen Küstenstadt. Hier sieht es schlecht mit Schlafmöglichkeiten aus, aber weiter die Küstenstraße runter gibt es ein paar Campingplätze. Dort will uns aber jetzt kurz vor Mitternacht niemand mehr aufmachen. Zum Glück hat ein Restaurant an der Straße noch geöffnet und dort fragen wir auch nach. Wir können die Nacht auf dem Parkplatz unter Pinien verbringen. Ein kaltes Bier zum Absacken ist auch noch drin, dann ist nach 180 km, 2750 hm und 12 Stunden Fahrzeit Schluss für heute. Nur noch 58 km bis zum Ziel!

Pizza am Straßenrand

 

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