Mtb-Marathon am Rursee

Nach dem guten und störungsfreiem Auftritt bei RdR (Rally di Romagnia) habe ich diesen Marathon doch etwas zu leicht genommen. Trotz der Hitzeperiode habe ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen wie noch in Italien, wo ich schon die Tage davor angefangen hatte, Mineraltabletten zu schlucken. Aber das sollte nicht die einzige Unachtsamkeit bleiben…

Anfangs war alles bestens, mit Lizenz durfte ich in den ersten Startblock, wo ich den von mir am stärksten vermuteten Konkurrenten gut im Auge hatte. Bin dann gut weggekommen und ohne mich am ersten Anstieg gleich voll reinzuhängen noch so im ersten Drittel mitgefahren meinen Kontrahenten einige Plätze weiter vor mir immer noch im Auge. Dann sind wir alle im großen Pulk eine schnelle Abfahrt runter und voll an der nächsten Abzweigung vorbei genagelt, wo vor dem Rennen anscheinend ein heimtückischer Zeitgenosse kurzerhand die Richtungsbeschilderung umgewechselte hatte. Irgendwann kurz darauf wurde an der Spitze bemerkt, dass wir falsch waren und nach einigem Hin und Her drehten wir um. Am Abzweig kamen in der Zwischenzeit auch immer mehr von den langsameren Fahrern an so dass dann fast alle im Wald wieder zusammenkamen und es de facto zu einem Neustart kam. Der einzige Vorteil war, dass ich ohne große Anstrengung direkt bei meinem Mitstreiter gelandet war und die nächste Zeit immer schön an seinem Hinterrad verbrachte. So arbeiteten wir uns nach und nach wieder weiter nach vorne und an denen vorbei, die wir eigentlich schon lange hinter uns gelassen hatten. Bergauf war ich zwar schneller, hielt mich aber erstmal zurück, war ja noch das Meiste zu fahren. Der nächste Rückschlag ließ leider wieder nicht lange auf sich warten. Nach der anspruchsvollsten und schönsten Abfahrt der Strecke machte ich leider im Talgrund beim Queren einer schmalen Brücke über einen Bach einen Fahrfehler und musste „kontrolliert“ in den Bach absteigen, um einen völligen Absturz des Rades zu verhindern. Bis auf nasse Füße ist mir dabei gar nichts passiert, aber das Schaltwerk muss irgendwo hängengeblieben sein, jedenfalls schaltete es nicht mehr sauber und der leichteste Gang ging gar nicht mehr rein (habe dann später gesehen, dass die Leitbleche vom Käfig verbogen sind).

Das fühlte und hörte sich auf der anschließenden Steigung gar nicht gut an, aber nach einigem rumfummeln an der Zugspannung blieb die Kette wenigstens stabil auf dem jeweiligen Ritzel und ich konnte die Verfolgung wieder aufnehmen, hatte natürlich auch ein paar Plätze verloren. Aber trotz beunruhigender Geräuschkulisse aus dem Antrieb schob ich mich wieder an meinen Konkurrenten heran und da es gerade gut lief fuhr ich vorbei und hatte schnell einen kleinen Vorsprung herausgearbeitet. Kurz vor dem Ende des Anstiegs bekam ich dafür plötzlich völlig unerwartet die Quittung, als schlagartig einsetzende heftige Krämpfe in beiden Beinen mich vom Rad zwangen und ich starr vor Schmerz stocksteif so zwei Minuten ausharren musste, bis ich mich erst einmal überhaupt wieder bewegen konnte und dann nach weiterem Lockern schließlich zaghaft weiterfuhr. Zum Glück kam bald eine Verpflegungsstelle und das brachte mich wieder ein bisschen nach vorne. Mittlerweile hatte mich auch noch ein weiterer mir bekannter Mitstreiter überholt sodass ich mich somit vom ersten auf den dritten Platz zurückgefallen wähnte. Das setzte für die folgenden km noch mal einige Kräfte frei sodass ich mich wieder zum schnelleren der beiden vorarbeiten konnte und wie gehabt einige Zeit bei ihm blieb. Im dann anbrechenden letzten Renndrittel begannen die Muskeln dann aber schon wieder, bedrohliche Zeichen in Form beginnender Krämpfe zu senden und ich musste das Tempo leider drosseln und die Konkurrenz ziehen lassen.

Ich war ziemlich sauer auf mich und begann mir langsam die Sinnfrage zu stellen, aber Aufgeben war dann doch keine Option. Mit zusammengebissenen Zähnen erreichte ich schließlich das Ziel. Am Ende sprang dann auch nur der 5. Platz heraus, weil außer den mir bekannten Kollegen auch noch 2 schnelle Holländer mit dabei gewesen waren, die die vordersten Plätze für sich verbuchten.

Ansonsten war‘s aber ein schönes Rennen 😉

Text: Thomas Reich

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